Stichwort Schulden*
In der Schweiz sind im Jahr 2011 insgesamt 6'661 Firmen in Konkurs gegangen, d.h. 6,5 % mehr als im Jahr zuvor. Bereits damals wurde mit 6'255 Konkursen ein neuer negativer Rekord erzielt.
Während die insolvenzbedingten Firmenkonkurse im vergangenen Jahr mit knapp 4'700 nur leicht zunahmen, wurde bei den Konkursen infolge organisatorischer Mängel ein stärkerer Anstieg verzeichnet. Eine seit Anfang 2008 gültige Gesetzregelung - sie ermöglicht eine konkursamtliche Liquidation von Firmen, die seit Jahren inaktiv sind - komme in einigen Kantonen nun mit Verzögerung zur Anwendung.
Die Anzahl der Privatkonkurse legte 2011 wie im Vorjahr um 0,5 % auf 5'748 zu.
Einen Rekord gab es im vergangenen Jahr auch bei den Firmengründungen: Mit knapp 40'000 neu im Handelsregister eingetragenen Firmen wurde der Vorjahreswert um gut 5 % übertroffen.
Günde für Überschuldung
- Arbeitslosigkeit
- Scheidung
- Missglückte Geschäftsgründung
- Einfachere Finanzierungsmöglichkeiten (Leasing,...)
- Selbstbewusstseinserlangung durch Konsum
- Konsumzwang durch Werbung / neue Trends
- Kaufkontrollprobleme, Kaufsucht
- Familiäres Umfeld
Der "typische" Schuldner
Alter unter 30 Jahren, Wohnsitz in einer Stadt der Romandie oder des Tessins, häufiger Adresswechsel und in einem Beruf mit eher tiefem Einkommen tätig – so das Profil des typischen Schweizer Schuldners gemäss der neusten Analyse der Kreditrisiken zum Schweizer Schuldner Index von Intrum Justitia. Die bei ehemaligen Schuldnern durchgeführte ergänzende Befragung zeigt, dass Arbeitslosigkeit, Krankheit und Scheidung die häufigsten Auslöser einer Verschuldung sind. Die meisten Schuldner verzichten auf Luxus und Ferien, um ihr finanzielles Problem zu lösen, professionelle Hilfe wird eher selten in Anspruch genommen.
Städte und Regionen der West- und Südschweiz bergen die grössten Kreditrisiken
Auffallend viele Schuldner wohnen in Städten, diese Tendenz hat sich gegenüber dem Vorjahr nochmals verstärkt. Die fehlende soziale Kontrolle in der Anonymität und der hohe Wohnanteil jüngerer Personen spielen dabei eine Rolle.
Jugendliche und junge Erwachsene noch stärker gefährdet als bisher
Die Altersgruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren stellt gegenüber der älteren Bevölkerung ein drastisch höheres Kreditrisiko dar. Dieser Trend hat sich weiter akzentuiert. Das bei der jüngeren Bevölkerung ausgeprägte Markenbewusstsein und die hohe Konsumbereitschaft führen dazu, dass oft mehr Geld ausgegeben wird, als zur Verfügung steht.
Je nach Beruf unterschiedliches Risiko für eine Verschuldung
Es zeigt sich, dass in Berufen mit eher tiefen Einkommen gehäuft Personen mit finanziellen Problemen zu finden sind. Besonders risikobehaftet sind Personen, die im Gastgewerbe arbeiten. Zu den Branchen mit einem hohen Gefährdungspotential gehören u.a. die Land- und Forstwirtschaft sowie die Bauwirtschaft.
Verkettung verschiedener Ereignisse führt in die Verschuldung
Über die Hälfte der ehemaligen Schuldner geben mehrere Gründe für ihre finanziellen Probleme an. Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Unfall und Scheidung sind gemäss der Untersuchung die Hauptauslöser für Geldprobleme. Bei Frauen führt eine Scheidung häufiger zu einer Verschuldung, bei Männern liegen die Gründe gehäuft in Bankkrediten und Leasingverträgen.
Nur ein radikaler Schnitt führt aus der Verschuldung
Knapp 85 Prozent der befragten Personen lösten ihre finanziellen Probleme ohne fremde Hilfe. Neun von zehn Befragten haben mehr als eine Massnahme getroffen, um ihr Schuldenproblem zu lösen. Am meisten genannt wurden Sparmassnahmen wie der Verzicht auf Luxus, Ferien, Unterhaltung oder allgemein auf Konsumgüter.
Risikofaktor Gratiskreditkarte
Die im Umgang mit Schulden erfahrenen Umfrageteilnehmer sind mehrheitlich der Meinung, dass von Gratiskreditkarten eine hohe Verschuldungsgefahr ausgeht.
Schweizer Schuldner Index 2008
*Quelle: konkurs.ch