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Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die schlechte Wirtschaftslage

Jeder vierte Europäer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren ist bereit, von zu Hause wegzugehen, um sich im Ausland eine Arbeit zu suchen. In Südeuropa ist der Anteil noch viel höher, wie die Studie zum Zahlungsverhalten der europäischen Verbraucher (European Consumer Payment Report 2015) zeigt.

Die anhaltend unsichere Wirtschaftslage in Europa wirkt sich in mehrfacher Hinsicht auf jüngere und ältere Bevölkerungsgruppen gleichermassen aus. Der jüngste Bericht zum Zahlungsverhalten der europäischen Verbraucher lässt eine Reihe von Trends erkennen: Die jüngere Generation verliert zunehmend die Hoffnung, auf die eigene wirtschaftliche Lage Einfluss nehmen zu können. Nur ungefähr jeder zweite Europäer kann monatlich einen Betrag auf die hohe Kante legen. Viele Menschen trauen sich mit Blick auf die Familienfinanzen nicht, ihren Partner zu verlassen.

Im dritten Jahr in Folge legt das Unternehmen Intrum Justitia seinen Bericht zum Zahlungsverhalten der europäischen Verbraucher vor, durch den die Trends, die sich in den letzten Jahren bereits abgezeichnet haben, weitgehend bestätigt werden.

„Die heranwachsende jüngere Generation sieht für sich kaum Möglichkeiten, kurz- oder langfristig die Kontrolle über ihre privaten Finanzen zu erlangen", erklärt Annika Billberg, Kommunikationsdirektorin bei Intrum Justitia.

Die Befragung hat ergeben, dass nahezu jeder vierte Europäer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren bereit ist, sich im Ausland eine Arbeit zu suchen. In Südeuropa ist diese Veränderungsbereitschaft angesichts einer höheren Arbeitslosenquote noch sehr viel stärker ausgeprägt. In Ungarn erklärten ungefähr 60 % der befragten Personen, dass sie durchaus ihre Heimat verlassen würden, um sich im Ausland ein besseres Leben aufzubauen; in Spanien waren es 29 % und in Portugal 33 % der Befragten. Demgegenüber beträgt der Anteil junger Dänen, die zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage eine Auswanderung erwägen würden, lediglich 8 %.

"Der positive Aspekt, den die Studie erkennen lässt, ist die Bereitschaft zur Veränderung", verkündet Billberg. Die EU müsse jetzt Maßnahmen ergreifen, um mehr junge Leute in Lohn und Brot zu bekommen. Der Exodus junger Leute dürfte nämlich nicht ohne negative Folgen für die wirtschaftliche Zukunft ihres Heimatlandes bleiben.

Grafik aus dem European Consumer Report: Europas Jugend ist bereit für eine bessere finanzielle Zukunft ihr Heimatland zu verlassen. Zustimmung zur Aussage " Ich erwäge aufgrund der fnanziellen Lage in meinem Heimatland, in ein anderes Land auszuwandern" (Befragte im Alter von 18-24 Jahre).

Auch wenn viele Europäer auf Grund der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu kämpfen haben, bleibt die Zahlungsmoral hoch. Ungefähr 85 % der befragten Personen gaben an, dass ihnen die fristgerechte Bezahlung ihrer Rechnungen wichtig sei. Dennoch waren 44 % der Befragten in den letzten sechs Monaten in Zahlungsverzug geraten. In Griechenland lag der Anteil säumiger Schuldner, die ihre Rechnungen in den letzten sechs Monaten nicht bezahlt haben, bei 78 %.

In den nordischen Ländern ist insbesondere bei jüngeren Personen die Wahrscheinlichkeit höher, dass man für Kredite nicht auf die Familie, auf Freunde oder auf die Hausbank zurückgreift. Kleinere Nischenbanken und SMS-Kredite als alternative Kreditquellen zu nutzen, ist dort weitaus üblicher als in den restlichen europäischen Ländern.

„Das könnte teilweise daran liegen, dass wir wenig geneigt sind, unsere Hausbank aufzusuchen, um dort unsere Verschuldung einzugestehen", vermutet Billberg. „Allerdings haben wir im Norden auch eine andere Kultur. Bei uns ist der Markt für SMS-Kredite und alternative Kreditquellen weiter entwickelt als in anderen Teilen Europas."

Die wirtschaftliche Lage einer Familie kann für die Beziehung zueinander entscheidend sein. In diesem Jahr wurde erstmals die Frage gestellt, ob die Familienfinanzen möglicherweise ein Grund sind, um eine Beziehung nicht beenden zu können oder zu wollen. Europaweit waren es ungefähr 15 % aller Befragten, die mit Ja antworteten. In Frankreich erklärten 37 %, dass sie eine Beziehung aus finanziellen Gründen aufrechterhielten; in der Schweiz betrug dieser Anteil 30 % und in Portugal 24 %. In Norwegen lag der Anteil bei 7 %.

„Eine Familie mit ausgeglichenem Budget hat bessere Chancen, eine Beziehung zu führen, die auf Liebe und nicht auf wirtschaftlichem Kalkül beruht", lautet das Fazit von Billberg. „Ich glaube, dass die Chancen auf Gleichheit und Freiheit in einer Beziehung höher sind, wenn beide Parteien arbeiten und in die Familienkasse einzahlen."