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Geld oder Liebe?

Für die meisten Paare ist es nichts Neues, dass Geld und Finanzen eine grosse Rolle in einer Beziehung spielen. Aber dass das Geld sie zusammenhält, auch wenn die Liebe abgeflaut ist, ist ein interessantes Ergebnis des European Consumer Report 2015 von Intrum Justitia.

Für die meisten Paare ist es nichts Neues, dass Geld und Finanzen eine grosse Rolle in einer Beziehung spielen. Aber dass das Geld sie zusammenhält, auch wenn die Liebe abgeflaut ist, ist ein interessantes Ergebnis des European Consumer Report 2015 von Intrum Justitia.

15 Prozent der Befragten sagen, dass sie aus finanziellen Gründen in einer Beziehung bleiben ud der Unterschied zwischen Männern und Frauen ist hierbei minimal (16 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen).

Etwas ungleicher wird das Bild, wenn man die Zahlen auf geographischer Ebene betrachtet. Die nordischen Länder sind hier weniger betroffen - nur 6 Prozent der Schweden sagen, dass ihre finanzielle Situation ein Grund sei, ihre Beziehung nicht zu beenden, gefolgt von Norwegern und Esten mit jeweils 7 Prozent.

Auf der anderen Seite geben 37 Prozent der französischen Pärchen ihre Finanzen als Grund an, warum sie in einer Beziehung bleiben, gefolgt von Schweizer Pärchen mit 30 Prozent und jedem vierten Pärchen in Portugal. Die Umfrage wurde in 21 europäischen Ländern durchgeführt.

"Dass die Finanzen Paare zusammenhalten können ist nicht überraschend. Es ist teurer, einen Single-Haushalt zu führen, so sind z. B. Grosspackungen von Lebensmitteln günstiger. Was überraschend ist, ist dass kein grösserer Unterschied zwischen Männern und Frauen besteht, besonders in Ländern, in denen weniger Frauen berufstätig sind wie z. B. in Griechenland und Italien." So Anita Nyberg, emeritierte Professorin  für Ethnologie, Religionsgeschichte und Geschlechterforschung an der Universität Stockholm.

In Griechenland sagen 14 Prozent von Männern und Frauen "ja"  zur Frage, ob ihre finanzielle Situation ein Faktor sei, ihre Beziehung nicht zu beenden und in Italien sind es 10 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen, die diese Antwort geben.

Wenn Paare sich trennen, dann gibt es allerdings einen Geschlechterunterschied in den Konsequenzen, die dies mit sich bringt.

"Bisher durchgeführte Studien zeigen, dass Männer nach einer Trennung finanziell besser gestellt sind als Frauen. Das beruht auf ihrer höheren Beteiligung am Arbeitsmarkt und höheren Gehältern. Natürlich ist es sowohl für Männer als auch für Frauen sehr hilfreich, finanziell unabhängig zu sein, ein eigenes Einkommen zu haben. Und es gibt Belege dafür, dass Frauen, die häufiger in Teilzeit arbeiten, dazu tendieren, Ihre Arbeitszeit auszuweiten, wenn eine Scheidung bevorsteht." sagt Anita Nyberg.

Die Finanzen beeinflussen Scheidungen und Trennungen auch in anderer Weise, als dass sie Paare zum Zusammenbleiben bringen.

"Scheidungen kommen bei Familien der niedrigen Einkommensschichten häufiger vor als bei wohlhabenderen Familien. Auch tendiert die Anzahl an Scheidungen bei schlechter Wirtschaftslage dazu zu steigen", sagt Anita Nyberg.