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Zahlungsverzüge dämpfen das Wachstum

Europäische KMUs sehen in der Finanzierung und in Zahlungsverzügen eine Herausforderung, für einige kann es sogar das Ende des Unternehmens bedeuten.

Die Marktbedingungen, Finanzierungen und Zahlungsverzüge sind laut Aussage von Experten ein Dorn im Auge von europäischen Unternehmen.

Die wirtschaftliche Aktivität in der Europäischen Union zeigt Anzeichen einer langsamen Erholung, was Unternehmen dazu veranlasst, über Expansionspläne und potenzielle Neueinstellungen nachzudenken. Während jedoch die globalen Märkte über Kapital verfügen und Zinssätze auf einem Rekordtief stehen, in einigen Fällen sogar im Negativbereich, können sich kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), die nach Kapital suchen, mit einer ganz anderen Realität konfrontiert sehen.

Die Marktbedingungen und die Nachfrage sind entscheidend für die Bereitschaft von KMUs zur Expansion und Neueinstellung von Mitarbeitern und der positive wirtschaftliche Trend, den wir in Europa beobachten können, ist, auch wenn er fragil ist, gern gesehen. Gleichzeitig herrscht ein hohes Mass an Ungewissheit vor, was viele Unternehmen zögern lässt, sagt Cecilia Hermansson, Assistenzprofessorin am Royal Institute of Technology in Stockholm (KTH) und frühere Chefökonomin bei der Swedbank.

Mehrere Konfliktgebiete weltweit, fallende und irreführende Ölpreise, die Flüchtlingsproblematik in Europa und eine ungewisse politische Landschaft, beispielsweise durch das Referendum in Grossbritannien am 23. Juni, ob man in der EU bleibt, tragen dazu bei, dass man Prognosen, selbst für die nahe Zukunft, nur schwer vornehmen kann.

Die Kosten für die Aufnahme eines Kredits sind kein Problem, da die Zinssätze niedrig sind, aber einige KMUs könnten Schwierigkeiten haben, Kredite gewährt zu bekommen, da Banken weniger bereit sind, Kredite an KMUs zu vergeben, als wünschenswert wäre. Viele europäische Banken leiden nach wie vor unter der Finanzkrise und vergeben daher weniger Kredite. Zusätzlich glaube ich, dass es Banken manchmal schwer fällt, neue Arten von Unternehmen und deren Bedürfnisse zu verstehen, beispielsweise das Investieren in neue Technologie, um wettbewerbsfähig zu bleiben, oder das Investieren in weniger materielle Vermögenswerte, z. B. Marken, Ideen oder Personal, sagt Cecilia Hermansson.

Ein weiterer Aspekt, der auf der Finanzierung europäischer KMUs lastet, sind Zahlungsverzüge oder nicht erfolgte Zahlungen, worin viele den Grund für mangelnde Expansionsmöglichkeiten sehen. Im European Payment Report 2015 von Intrum Justitia geben fast ein Drittel der befragten Unternehmen an, dass sie durch schneller bezahlte Rechnungen mehr Mitarbeiter einstellen könnten. Eins von vier Unternehmen sagte, dass Zahlungsverzüge auch zur Entlassung von Mitarbeitern beitragen würden.

Das Feedback auf die Befragung gestaltet sich ziemlich klar – Zahlungsverzüge dämpfen das Wachstum, da Unternehmen die Kontrolle über ihren Kapitalfluss verlieren, sagt Annika Billberg, Leiterin für Verkauf, Marketing und Kommunikation der Intrum Justitia Gruppe.

Insbesondere für KMUs bedeuten Zahlungsverzüge, dass sie ihr Betriebskapital drastisch steigern müssten oder ausgedehnte Kreditgrenzen haben müssten, um mit der Lage zurechtzukommen, was nicht jedem zur Verfügung steht.

Eine kleine Beratungsgesellschaft mit vielleicht 20 Mitarbeitern, die einen Grosskunden hat, der die Zahlung für einige Monate einstellt, kann in enorme finanzielle Schwierigkeiten geraten, sagt Annika Billberg.