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In Schweden wird Druck aufgebaut zur Lösung des Zahlungsverzugsproblems

Der schwedische Wirtschaftsminister setzt anlässlich der Präsentation des European Payment Reports 2017 eine Deadline bis September zur Vereinbarung eines freiwilligen Kodexes.

Schwedens Minister für Unternehmen und Innovation hat die schwedische Geschäftswelt dazu aufgefordert, sich bis zum Herbst um das Problem der verspäteten Zahlungen zu kümmern oder sich auf entsprechende Gesetze einzustellen.

Mikael Damberg sprach im Rahmen eines Seminars zum Launch des European Payment Report 2017, der auf einer umfassenden Befragung von europäischen Unternehmen basiert und von dem führenden Kreditmanagementdienstleister Intrum Justitia erstellt wird.  

“Ein Systemversagen”

Ein Publikum aus Wirtschaftsführern und Medien hörte, wie Damberg den 1. September als Deadline für die schwedische Geschäftswelt festlegte, um eine Vereinbarung für einen freiwilligen Kodex zu treffen, der das Problem behandelt, das er als „Systemversagen“ bezeichnet. Der Wirtschaftsminister schloss die Möglichkeit der Einführung eines neuen Gesetzes zur Durchsetzung ordnungsgemäßer Zahlungsbedingungen nicht aus, wenn eine Lösung aus freien Stücken nicht in Aussicht stünde. Er erklärt, dass "wir für die schwedische Wirtschaft einen Weg finden müssen, der zum Ziel führt."

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem European Payment Report, für den allein 932 Unternehmen in Schweden und mehr 10.000 Betriebe in Europa befragt wurden, stellte der CEO und Präsident von Intrum Justitia, Mikael Ericson, vor. Gemäß der Studie fühlen sich in Schweden 65 % der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) unter Druck gesetzt, verspätete Zahlungen zu akzeptieren. Dieser Wert hat sich seit dem Vorjahr um 12 % verschlechtert. KMU geben an, dass verspätete Zahlungen sie am Wachstum hindern und Intrum Justitia schätzt, dass in Schweden bis zu 67.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten, wenn die Rechnungen von Firmen pünktlich bezahlt würden. 

Der Kampf ums Überleben

Neben Mikael Damberg nahmen an der Podiumsdiskussion Mikael Ericson und drei Geschäftsführer kleiner und mittlerer Unternehmensverbände (KMU) teil: Gunther Mårder, CEO von Företagarna (dem schwedischen Unternehmensverband), Sanna Arnfjorden Wadström, CEO der Data Company Intab, und Fredrik Sidahl, CEO des Wirtschaftsverbands für skandinavische Lieferanten der Automobilindustrie Komponentsgruppen.

In einer offenen Debatte schilderte jeder der KMU Vertreter in eindrücklichen Worten, wie sehr sich das Problem der verspäteten Zahlungen auf das Wachstum auswirkt und in einigen Fällen sogar auf das Überleben ihrer Mitglieder am Markt.

“Wir müssen um unser Überleben kämpfen, “ so Sidahl, während Arnfjorden Wadström, CEO der Data Company Intab und Mitglied des Vorstands des schwedischen Industrieverbands sogar  davon sprach, dass verspätete Zahlungen eigentlich ein “Darlehen” von KMUs an größere Unternehmen sind. “Dadurch können KMU kein Personal einstellen und schulen und entwickeln sich nicht weiter”, erklärte sie.

Günther Mårder fügte hinzu, “Wachstum führt zu Kapital und unsere Unternehmen können sich nicht weiterentwickeln, da die verspäteten Zahlungen ihrer Geschäftskunden ein Risiko für sie darstellen.“

Freiwillige Vorschrift oder gesetzliche Vorgabe? 

Die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion waren jedoch geteilter Meinung darüber, welcher Ansatz die beste Lösung bietet, der freiwillige oder der gesetzlich verpflichtende. 

Mårder und Sidahl sind der Meinung, dass ein freiwilliger Ansatz besser funktionieren würde. 

“Es ist sehr schwierig, Gesetze durchzusetzen, da jeder Industriezweig über seine eigene Art und Weise verfügt, Geschäfte zu betreiben und mir ist bewusst, dass viele Industriezweige längere Zahlungsfristen benötigen. Mit einem Verhaltenskodex für Zahlungen wäre es leichter, die spezifischen Industriezweige abzudecken als mit Gesetzesvorschriften. Ich hoffe, wir müssen für dieses Problem nicht auf Gesetzesvorschriften zurückgreifen,“ erklärt Mårder.

Sidahl ist der Ansicht, dass  “es zu einfach wäre, Gesetze zu umgehen. Unternehmen könnten stattdessen ihre Ersatzteile z. B.  aus Dänemark beziehen – das ist ganz einfach.  Ich bin stattdessen der Meinung, dass ein freiwilliger Ansatz zur Lösung dieses Problems effektiver wäre. Wir könnten eine Liste der säumigen Unternehmen erstellen, auf der diese mit Namen genannt und an den Pranger gestellt werden und könnten die größeren Unternehmen dazu auffordern, uns zu erklären, warum sie nicht innerhalb von 30 Tagen bezahlen können. Ich glaube, damit würde eine größere Wirkung erzielt werden.“

Arnfjorden Wadström, ebenfalls Mitglied des Vorstands des schwedischen Industrieverbands, ist jedoch der Meinung, dass ein neues Gesetz die einzige Antwort ist. 

“Ein Gesetz würde die Lösung zusätzlich untermauern. Wenn wir uns auf einen freiwilligen Kodex einigen, muss dieser auf irgendeine Art und Weise im Hinblick auf Strafmaßnahmen auf einem Gesetz basieren, was in Frankreich z. B. der Fall ist, wo ein Unternehmen, dass sich eines Vergehens schuldig gemacht hat, von öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen wird. 

“Aber ich glaube immer noch an eine gesetzliche Regulierung, durch die es für große Unternehmen kostspielig ist, nicht pünktlich zu bezahlen. Dann erst werden wir eine Änderung des Verhaltens sehen.” 

Lob für Intrum Justitia

Alle waren sich darüber einig, dass Ansätze in Richtung einer Lösung vorhanden sind und sie begrüßten die Rolle, die Intrum Justitia in der Debatte übernommen hatte.  

“Der European Payment Report ist großartig, denn er liefert uns Statistiken. Das sind harte Fakten,“ sagt Sidahl. “Und es ist auch gut, dass diese Fragen in ganz Europa gestellt werden, damit wir verschiedene Länder miteinander vergleichen können, und wir sehen jetzt, dass Schweden hinterherhinkt.”  

“Es ist eine großartige Initiative und wir sind sehr froh darüber, mit Intrum Justitia bei diesem Problem zusammenarbeiten zu können,“ sagt Mårder, einer der Unterzeichner des „30 Tage Clubs“ von Intrum Justitia.  

“Es ist gut, dass ein großes Unternehmen die Angelegenheit vorantreibt,” fügt Arnfjorden Wadström hinzu.

Die Diskussion voranbringen

Mikael Ericson war aus der Sicht von Intrum Justitia mit der Veranstaltung sehr  zufrieden. Er beteuerte erneut das Engagement des Unternehmens, das Thema Zahlungsverzug in den Fokus zu stellen.

“Der Zweck des European Payment Report besteht darin, einen Beitrag zu einem wichtigen Diskussionspunkt in Europa über Zahlungsbedingungen und verspätete Zahlungen im Allgemeinen zu liefern. Meiner Meinung nach war die Veranstaltung sehr gut und wir freuen uns , dass der schwedische Wirtschaftsminister teilgenommen hat, was der Veranstaltung mehr Gewicht verlieh. 

“Für uns stellt sich die Frage nach einer nachhaltigen Gesellschaft und eine tragende Säule hierbei ist es, das Thema verspätete Zahlungen anzugehen. Für kleine und mittlere Unternehmen sollte es selbstverständlich sein, davon ausgehen zu können, dass ihre Rechnungen pünktlich beglichen werden. Das ist eine wichtige Frage für uns und wir werden sie weiter vorantreiben und weiterhin an  Gesprächen teilnehmen.“