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Am 27. Juni 2017 entstand durch den Zusammenschluss von Intrum Justitia und Lindorff der branchenführende Anbieter von Credit Management Lösungen. Lesen Sie hier mehr. Die Gruppe beschäftigt aktuell rund 8.000 Mitarbeiter in 23 Ländern. Seit dem 19. März 2018 agieren auch die unter Intrum Justitia und Lindorff firmierenden deutschen Gesellschaften unter der Marke Intrum, gleichzeitig wurde die Lindorff Deutschland GmbH zur Intrum Deutschland GmbH umfirmiert.

Nicht die Liebe, sondern Geld hält viele Paare zusammen

Heute ist Valentinstag, der Tag der Liebe. Aus dem European Consumer Payment Report von Intrum Justitia geht hervor, dass viele Paare allerdings nicht wegen der Romantik zusammen bleiben. Für eine große Anzahl von Paaren ist es das Geld, nicht das Band der Liebe, das sie zusammenhält.

Der European Consumer Report gibt einen Einblick in das tägliche Leben von Konsumenten in 21 europäischen Ländern. Gemäß der Umfrage stimmten 17 Prozent aller Befragten der Aussage zu "Meine finanzielle Situation ist ein Grund, meine Partnerschaft nicht zu beenden". In Deutschland liegt der Wert bei 16 Prozent. Das Bild ist bei Männern und Frauen ähnlich - 18 Prozent der männlichen und 16 Prozent der weiblichen Befragten (in Deutschland 18 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen) stimmten zu, dass die Finanzen bei ihrer Beziehungsentscheidung eine Rolle spielen.

Wenn man die einzelnen befragten Länder betrachtet, kommt das überraschendste Ergebnis aus Frankreich. Im Land der Romantik stimmten 39 Prozent der Befragten zu , dass ihre finanzielle Situation ein Grund sei, mit ihrem Partner zusammenzubleiben. Dies ist der höchste Anteil aller Länder, in denen die Umfrage durchgeführt wurde. Belgien (27 Prozent) und die Schweiz (24 Prozent) folgen als nächste auf der Liste. Wenn man nur französische Männer betrachtet, steigt der Anteil auf ganze 45 Prozent, was zeigt, dass deren Ruf als romantische Verehrer wohl eher praktischen finanziellen Überlegungen unterliegt.

Die Meinungen sind in geographischem Sinne geteilt. Die nordischen Länder weisen besonders niedrige Werte auf. Nur 10 Prozent der Norweger und Dänen und 11 Prozent der Schweden sagen, dass ihre Finanzen ein Grund sind, warum sie zusammenbleiben. In einigen südlichen Ländern sind die Zahlen höher, z.B Spanien mit 23 Prozent und Portugal 20 Prozent. In manchen Nachbarländern gibt es große Unterschiede, z.B. lassen in Polen 22 Prozent und in Tschechien nur 9 Prozent der Befragten ihre Partnerschaftssituation von den Finanzen beeinflussen.

Die Ergebnisse sind jedoch keine Überraschung für Anita Nyberg, Professorin Emerita für Ethnologie, Religionsgeschichte und Geschlechterstudien an der Universität Stockholm.

"Es ist nicht überraschend. In manchen Ländern herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit und in anderen sind die Mietkosten so hoch, dass es sich die Menschen nicht leisten können, sich zu trennen und auszuziehen. Auch die Unsicherheit der Einkommenssituation ist ein Grund, warum Paare zusammenbleiben."

Ash Rehn ist Paar-Berater bei Forward Therapy und arbeitet mit Menschen aus ganz Europa, die in Beziehungen sind oder im Trennungsprozess. Auch er stimmt Professorin Nyberg zu.

"Die Ausgaben für Wohnen können eine Beziehung sehr belasten. Gleichzeitig kostet es weniger, sich die Haushaltsausgaben zu teilen. Viele Menschen fühlen sich in ihren Beziehungen gefangen, da sie aus finanziellen Gründen diese nicht verlassen können."

"In Schweden sagen mir meine Klienten oft, dass sie ihre Beziehung beenden und ausziehen wollen, aber kein erschwingliches Apartment finden können. Die Situation bei Paaren mit Kindern ist oft schlimmer, da sich die Wohnkosten verdoppeln, wenn sie sich trennen. Paare bleiben oft zusammen und versuchen, an ihrer Beziehung zu arbeiten, weil die Kosten einer Trennung zu hoch erscheinen."

Andere interessante Ergebnisse der Umfrage sind, dass mehr Männer als Frauen der Aussage zustimmen, dass finanzielle Erwägungen sie zusammenhalten. Dies beinhaltet auch die Antworten von Männern und Frauen aus Ländern, in denen Frauen traditionell weniger am Arbeitsmarkt teilnehmen wie z.B. Griechenland, Italien oder Portugal.

In Griechenland stimmen nur 12 Prozent der Frauen, aber 18 Prozent der Männer der Aussage zu, in Italien liegt der Wert bei 21 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen, in Portugal bei 23 Prozent der Männer aber nur 17 Prozent der Frauen. Dies legt nahe, dass die Einstellungen zu den Gesschlechterrollen sich ändern, aber auch vielleicht dass die Männer in diesen Ländern sich von ihrer traditionellen Rolle als Alleinverdiener verabschieden, da Frauen mehr Dienstleistungs-Jobs in ihren jeweiligen Ländern finden.

"Es ist interessant, dass in der diesjährigen Umfrage in den meisten Ländern mehr Männer als Frauen der Aussage zustimmten", sagt Professor Nyberg. "Ein Grund dafür könnte sein, dass in manchen Ländern bei einer Scheidung der Mann Unterhalt an seine Ex-Frau zahlen muss und auch zum Unterhalt seiner Kinder beitragen muss. In dieser Beziehung kann es für einen Mann teuer werden, sich scheiden zu lassen".

"Ich habe mit vielen Männern gearbeitet, die in einem Scheidungsverfahren waren oder dieses gerade hinter sich gebracht haben. Wenn ein Gericht bestimmt, dass Unterhaltszahlungen geleistet werden müssen, dann kann dies ein harter Schlag sein für einen Mann, der plötzlich allein mit weniger Geld auskommen muss und trotzdem 100 Prozent der Miete oder Hypothekenzahlungen leisten muss", so Ash Rehn. "Ich habe auch mit Frauen gearbeitet, die an Beziehungen, in denen Sie unglücklich waren oder gar häuslicher Gewalt unterworfen waren, festhielten, unter der Annahme, dass ihre Kinder leiden müssten, wenn sie ausziehen und mit wenig Geld auskommen müssten. Finanzielle Unabhängigkeit macht einen großen Unterschied aus für Frauen und beeinflusst ihre Entscheidungen, ihr Wohlergehen und ihre Kinder".

Aber wenn Paare sich trennen, gibt es auch geschlechterspezifische Unterschiede bezüglich der Zeit, die sie für Ihre Kinder aufwenden. "Frauen erhöhen tendenziell ihre Arbeitszeit, während Männer die Zeit, dies sie mit ihren Kindern verbringen erhöhen", sagt Anita Nyberg.

Den aktuellen European Payment Report können Sie hier anfordern.