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Verzögerte Zahlungen bringen kleine und mittlere Unternehmen in Europa in Bedrängnis

Dem jüngsten European Payment Report (EPR) zufolge, drücken verzögerte Zahlungen kleinen und mittleren Unternehmen in Europa die Luft ab und nordische multinationale Konzerne fallen mit ihrer Forderung nach weniger strengen Zahlungsbedingungen auf.

Der European Payment Report (EPR) von Intrum Justitia untersucht das Zahlungsverhalten und die finanzielle Stabilität der europäischen Geschäftswelt auf Basis der Daten von 9.440 Unternehmen in Europa. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind stärker von pünktlichen Zahlungen abhängig und bei schlechter Zahlungsmoral weniger gut geschützt als die großen Konzerne. Unternehmen bezahlen ihre Rechnungen im Durchschnitt 5,6 Tage später, während der öffentliche Sektor bei 7,2 Tagen liegt. In extremen Fällen, wie z. B. bei Behörden in Italien, müssen kleine und mittlere Unternehmen 48 Tage lang nach dem Fälligkeitsdatum auf die Begleichung ihrer Rechnung warten.

Erstaunliche 35 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen betrachten die verzögerten Zahlungen als eine Bedrohung für ihr allgemeines Überleben und vier von zehn erklären, dass ihr Wachstum dadurch behindert wird.

“Zu späte Zahlungen sind für kleinere Unternehmen schwerwiegend und können zu Liquiditäts- und Finanzproblemen führen”, erklärt Daniel Wiberg, Chefökonom des schwedischen Unternehmensverbandes. „Sie sind nicht nur für einzelne Unternehmen belastend, sondern in Bezug auf Effizienz, Wachstumsfähigkeit und Funktionstüchtigkeit auch für die allgemeine Wirtschaft. Dass der öffentlicher Sektor in den meisten Ländern Europas eine schlechte Zahlungsmoral aufweist ist eine tragische Tatsache und es wäre wünschenswert, er würde stattdessen mit gutem Beispiel vorangehen.“         

In Europa wurden 39 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen von multinationalen Konzernen um längere Zahlungsfristen gebeten, und diesbezüglich fallen die nordischen Regionen mit 52 Prozent in Schweden, 58 Prozent in Dänemark und 73 Prozent in Finnland besonders auf.

 “Große multinationale Unternehmen in der nordischen Region sind gut darin, zu rationalisieren und Kosten zu senken und sie leiten das in der Hierarchie an die Subunternehmer und Lieferanten weiter,˵ erläutert Wiberg weiter. “Ein möglicher Grund, warum sich die nordische Region hier deutlich abzeichnet ist, dass die kleinen und mittleren Unternehmen in der Wertekette häufig höher liegen als z. B. südeuropäische kleine und mittlere Unternehmen. Das bedeutet, dass sie normalerweise über weniger Kunden verfügen, die größere Bestellungen in Auftrag geben und manchmal sogar symbiotische Geschäftsverhältnisse mit ihren Kunden pflegen.“ Gerade bei kleineren Unternehmen wächst bei längeren Zahlungsfristen die Unsicherheit, und für sie gestaltet es sich zudem häufig schwierig, revolvierende Kredite zu sichern, um Zeiträume zu überstehen, in denen es mit der Liquidität eng wird.

“Das kann dazu führen, dass sie keine große Bestellung annehmen oder gar nicht erst versuchen, sich Exportmärkte zu erschließen, da sie das zusätzliche Risiko nicht eingehen können,˵ führt Wiberg aus. 34 Prozent der europäischen kleineren und mittleren Unternehmen sind der Meinung, dass sie bei einer besseren Zahlungsmoral mehr Mitarbeiter/innen einstellen könnten, und der europäische Zahlungsbericht nennt ein Potential zur Schaffung von 7,7 Millionen neuer Arbeitsplätze bei sowohl kleinen und mittleren als auch großen Unternehmen, wenn Rechnungen pünktlich gezahlt werden würden.