Zum Hauptinhalt springen

Wir verwenden Cookies, die zur Funktion und Optimierung unserer Webseite erforderlich sind. Durch die Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies einsetzen.

Industry White Paper - Unternehmen warten zu lange auf Bezahlung

37% der Forderungen auch nach 30 Tagen unbezahlt / verspätete Zahlungen verhindern Wachstum und Schaffung von Arbeitsplätzen / Energie- und Wasserversorger am stärksten betroffen / Baugewerbe verliert fast 4% Umsatz. Dies sind Ergebnisse des neuen Industry White Paper von Intrum Justitia.

Viele europäische Unternehmen haben Schwierigkeiten, da ihre Kunden nicht in der Lage sind, Rechnungen fristgemäß zu bezahlen. Bei Business-to-Business-Transaktionen liegt das durchschnittliche Zahlungsziel bei 28 Tagen. Trotz der langen Frist sind 37 Prozent aller ausstehenden Forderungen nach 30 Tagen unbeglichen. So das Ergebnis des European Payment Reports 2015 von Intrum Justitia, bei dem mehrere tausend Unternehmen Einblicke in das Zahlungsverhalten ihrer Kunden gegeben haben. Das hat nicht nur negative Folgen für das Finanzwachstum, sondern verhindert auch Ersatz- und Neueinstellungen. 

Die Kosten für verspätete Zahlungen sind hoch: insgesamt 3,1 Prozent des Jahres-Umsatzes müssen abgeschrieben werden. „Das entspricht insgesamt 289 Milliarden Euro – Geld das in Wachstum und neue Arbeitsplätze investiert werden könnte", sagt Jürgen Sonder, Geschäftsführer von Intrum Justitia in Darmstadt. 

Ein Blick auf die verschiedenen Branchen zeigt, dass sehr unterschiedliche Zahlungsziele gewährt werden und diese im Durchschnitt dennoch über alle Branchen hinweg nicht eingehalten werden. Unternehmen im Bau- und Gebäudesektor sind von verspäteten Zahlungen am meisten betroffen. Sie müssen letztendlich 3,9 Prozent ihrer Forderungen abschreiben. Das durchschnittliche Zahlungsziel für B2B-Kunden liegt bei 28 Tagen. Dennoch sind 40 Prozent der ausstehenden Rechnungen nach 30 Tagen immer noch nicht bezahlt und 11 Prozent aller ausstehenden Forderungen werden sogar erst nach mehr als 90 Tagen beglichen. 

Auch die Versorger (Strom, Gas & Wasser) sind aufgrund von verspäteten Zahlungen beeinträchtigt. Der Sektor sieht sich in Europa mit einem durchschnittlichen Zahlungsverzug von 12 Tagen konfrontiert. 46 Prozent der ausstehenden Rechnungen wurden nach Ablauf des vertraglich vereinbarten Zahlungsziels noch nicht beglichen. 

Die Folgen sind schwerwiegend. Als einer der am schlimmsten betroffenen Sektoren, sehen beispielsweise 53 Prozent der Befragten im Bau- & Gebäudesektor ernste Liquiditätsprobleme als Folge von verspäteten Zahlungen auf sich zukommen. 

Die EPR-Branchenanalyse 2015 ergab außerdem, dass Arbeitsplätze durch verspätete Zahlungen gefährdet werden. In der Logistikbranche (Transport- und Lagerung) geben 46 Prozent der Befragten an, dass sie deshalb keine weiteren neuen Mitarbeiter mehr einstellen können. 42 Prozent sagen, dass sie sofort mit der Einstellung neuer Mitarbeiter beginnen würden, wenn sie nur schneller bezahlt werden würden. 

Ein weiteres erschreckendes Beispiel ist die Tourismusbranche (Freizeit-, Hotel- & Restaurants). Ein Sektor, bei dem man in der Regel erwarten kann, dass dort viele junge Mitarbeiter tätig sind. Ein Viertel der Befragten sagt, dass sie es sogar in Erwägung ziehen, aufgrund von verspäteten Zahlungen Personalkürzungen vorzunehmen. 34 Prozent bestätigen, dass sie keine neuen Mitarbeiter einstellen können. 

Die beschriebene Situation ist für viele Unternehmen erfolgskritisch bis existenzbedrohend. „Das muss man so nicht hinnehmen. Das Management muss handeln. Zu einem professionellen Kundenmanagement gehört auch eine Risiko- und Kreditpolitik", sagt Jürgen Sonder. Dazu hat Intrum Justitia einige wichtige Rahmenbedingungen zur Optimierung des Working Capital Management zusammengestellt. Wesentliche Aspekte sind, dass eine qualifizierte Risikoeinschätzung bei allen Neukunden durchgeführt wird und das Bestandskundenportfolio mit einem permanenten Monitoring im Sinne eines Frühwarnsystems begleitet wird. Die Optimierung resp. die Reduzierung der DSO (Außenstandstage) durch ein straffes Mahnwesen ist ein weiterer Baustein für die Entwicklung eines schlagkräftigen Working Capital Management. 

PRAXISTIPPS

  1. Erarbeiten und implementieren Sie eine ausgewogene und solide Kreditpolitik, um Risiken und Wachstum im Griff zu haben und entwickeln Sie diese kontinuierlich weiter.
  2. Bewerten und verfolgen Sie das in Ihrem Kreditmanagement-Prozess eingesetzte Kapital, um die Kapitalkosten zu senken.
  3. Stellen Sie sicher, dass Sie die Kunden, mit denen Sie Geschäfte tätigen, auch kennen.
  4. Legen Sie Ihre Geschäftsbedingungen in den Verträgen mit Ihren Kunden genau fest.
  5. Beziehen Sie Vertrieb, Marketing und Finanzabteilung ein, um einen effizienten Rechnungsstellungsprozess zu schaffen und Zahlungsausfälle zu vermeiden.
  6. Führen Sie ein Monitoring von Wirtschafts- und Branchen-Informationen durch, inklusive der Solvenz Ihrer Schlüsselkunden und prüfen Sie regelmäßig Ihre Kundenadressen.
  7. Reduzieren Sie Kundenverluste und stärken Sie die Kundenbeziehungen, indem Sie Ihren Kreditprozess auf Basis von Zahlungsverhalten und Solvenz der Kunden steuern.
  8. Führen Sie ein zügiges Mahnverfahren ein und berechnen Sie Verzugszinsen soweit dies möglich ist.
  9. Gewichten Sie Ihre Kundenstruktur nach Risiko- und Wachstums-Potenzial.
  10. Handeln Sie sofort, um Zahlungsausfälle zu vermeiden, verzögern Sie den Prozess nicht.